Auswandern ist kein spontaner Akt — es ist ein Projekt. Und wie bei jedem Projekt entscheidet die Planung über Erfolg oder Frust. Die größte Gefahr: Sie vergessen etwas, das sich aus dem Ausland nur schwer oder gar nicht mehr nachholen lässt.
Diese Checkliste ordnet die 30 wichtigsten Schritte chronologisch — vom ersten großen Entschluss bis zu den letzten Handgriffen vor dem Flug. Kein Schritt ist optional, jeder hat seinen Grund.
12 Monate vorher: Die großen Entscheidungen
In dieser Phase geht es um die Weichenstellungen, die alles Weitere bestimmen. Nehmen Sie sich Zeit — Änderungen in dieser Phase kosten noch nichts. Später können sie teuer werden.
- Zielland endgültig festlegen. Nicht träumen, entscheiden. Vergleichen Sie Lebenshaltungskosten, Klima, Gesundheitsversorgung und Sprache. Besuchen Sie das Land vorher mindestens einmal — außerhalb der Urlaubsperspektive.
- Visum-Anforderungen recherchieren. Jedes Land hat eigene Regeln. Manche Visa brauchen Monate Vorlauf (z. B. Australien Skilled Worker: 6–12 Monate). Klären Sie früh, welches Visum für Sie in Frage kommt und was dafür nötig ist.
- Jobsuche oder Remote-Work klären. Haben Sie einen Arbeitgeber, der Remote akzeptiert? Brauchen Sie einen lokalen Arbeitsvertrag fürs Visum? Oder gehen Sie als Selbstständiger? Diese Frage bestimmt Visum-Typ und Zeitplan.
- Sprachkurs starten. Selbst bei guten Englisch-Kenntnissen: Die Landessprache öffnet Türen, die Ihnen sonst verschlossen bleiben. 12 Monate sind genug für ein solides B1-Niveau.
Praxis-Tipp: Legen Sie jetzt bereits einen Ordner an — physisch oder digital — in dem Sie alle Dokumente, Fristen und Zusagen sammeln. Spätestens ab Monat 6 werden Sie dankbar dafür sein.
6 Monate vorher: Behörden und Verträge
Jetzt wird es konkret. In dieser Phase lösen Sie die Bindungen, die Sie in Deutschland halten — Mietvertrag, Versicherungen, Behörden. Viele dieser Schritte haben Kündigungsfristen. Wer zu spät anfangt, zahlt doppelt.
- Wohnung kündigen (Kündigungsfrist beachten!). In der Regel 3 Monate zum Monatsende. Prüfen Sie Ihren Vertrag — manche Altverträge haben längere Fristen. Planen Sie die Übergabe realistisch: Renovierung, Möbelverkauf, Endreinigung brauchen Zeit.
- Versicherungen klären. Krankenversicherung: Private Auslands-KV oder lokale Pflichtversicherung? Haftpflicht: Gilt sie im Ausland weiter? Hausrat: Kündigen, wenn Sie die Wohnung aufgeben. Berufsunfähigkeitsversicherung: Prüfen, ob sie bei Wohnsitz im Ausland weiterlauft.
- Rentenversicherung informieren. Melden Sie der Deutschen Rentenversicherung Ihren Wegzug. Klären Sie, ob ein Sozialversicherungsabkommen mit Ihrem Zielland besteht und ob freiwillige Beiträge sinnvoll sind.
- Steuerberater konsultieren (Wegzugsbesteuerung). Wer Unternehmensanteile oder erhebliches Vermögen hat, kann von der Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG) betroffen sein. Auch ohne Vermögen: Klären Sie, in welchem Jahr Sie welchem Staat steuerpflichtig sind.
- Bankkonten und Kreditkarte fürs Ausland. Eröffnen Sie ein Konto, das international funktioniert (z. B. Wise, Revolut oder eine Direktbank ohne Auslandsgebühren). Behalten Sie mindestens ein deutsches Konto — für Rentenansprüche, Versicherungen oder Rücküberweisungen.
Achtung, häufiger Fehler: Viele kündigen ihr deutsches Bankkonto komplett. Dann stehen sie im Ausland ohne SEPA-Zugang da — und manche Verträge (z. B. Rentenversicherung) überweisen nur auf deutsche Konten.
3 Monate vorher: Der Feinschliff
Die großen Entscheidungen sind gefallen, die Verträge gekündigt. Jetzt geht es um Logistik, Dokumente und die Frage: Was nehme ich mit, was bleibt hier?
- Umzugsgut sortieren. Drei Stapel: mitnehmen, verkaufen, entsorgen. Seien Sie radikal — jeder Container-Kubikmeter kostet Geld. Elektrogeräte funktionieren oft nicht im Zielland (Spannung, Stecker). Möbel: Neuanschaffung vor Ort ist häufig günstiger als der Transport.
- Internationale Spedition oder Container buchen. Holen Sie mindestens drei Angebote ein. Prüfen Sie: Ist Zollabwicklung inklusive? Wie lange dauert der Transport? Wie ist die Versicherungssumme? Buchen Sie früh — besonders in der Hochsaison (Frühjahr/Sommer) sind Slots knapp.
- Vollmachten erteilen. Bestimmen Sie eine Vertrauensperson in Deutschland, die in Ihrem Namen handeln kann: Post entgegennehmen, Verträge kündigen, Behördengänge erledigen. Eine notarielle Generalvollmacht kostet ca. 50–100 EUR — gut investiertes Geld.
- Apostille und Beglaubigungen für Dokumente. Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Zeugnisse, Führungszeugnis — viele Zielländer verlangen eine Apostille oder Übersetzung durch einen vereidigten Übersetzer. Das dauert Wochen. Starten Sie jetzt.
- Impfungen und Gesundheitscheck. Manche Länder verlangen bestimmte Impfungen fürs Visum. Auch ohne Pflicht: Lassen Sie einen Rundum-Check machen (Zahnarzt, Augenarzt, Hautkrebs-Screening). Im Ausland sind diese Untersuchungen oft teurer oder schwerer zugänglich.
4 Wochen vorher: Der Behörden-Sprint
Der Countdown läuft. Diese Schritte haben enge Zeitfenster — manche gehen nur in den letzten Wochen vor der Abreise. Planen Sie für diese Phase bewusst freie Tage ein.
- Abmeldung beim Einwohnermeldeamt. Möglich frühestens 1 Woche vor Auszug. Sie erhalten eine Abmeldebestätigung — bewahren Sie diese gut auf. Sie brauchen sie für die Steuererklärung und ggf. fürs Zielland.
- GEZ abmelden. Geht nur mit Abmeldebestätigung. Online über rundfunkbeitrag.de oder per Post. Ohne Abmeldung zahlen Sie weiter — auch aus dem Ausland.
- Finanzamt informieren. Teilen Sie Ihrem zuständigen Finanzamt den Wegzug mit. Klären Sie, ob Sie noch eine Steuererklärung für das laufende Jahr abgeben müssen (in der Regel: ja, anteilig).
- Nachsendeauftrag einrichten. Bei der Deutschen Post für 6–12 Monate. Alternativ: Leiten Sie Post an Ihre Vertrauensperson weiter. Wichtig: Manche Behörden senden weiterhin an die alte Adresse, wenn Sie keinen Nachsendeauftrag haben.
- Auto abmelden oder exportieren. Abmeldung: Kennzeichen, Fahrzeugschein und -brief zum Straßenverkehrsamt. Export: Ausfuhrkennzeichen beantragen (gültig max. 12 Monate). Kfz-Versicherung kündigen bzw. auf Ausfuhrkennzeichen umstellen.
Zeitspar-Tipp: Viele Behördengänge lassen sich an einem Tag erledigen, wenn Sie alle Unterlagen vorbereitet haben. Machen Sie sich eine Mappe mit: Personalausweis, Mietvertrag, Abmeldebestätigung, Fahrzeugschein, IBAN.
Die letzten Tage
Die Koffer sind fast gepackt. Jetzt geht es um die Dinge, die man leicht vergisst — und die im Ausland schwer nachzuholen sind.
- Bankvollmachten prüfen. Hat Ihre Vertrauensperson Zugriff auf das verbliebene deutsche Konto? Funktioniert die Vollmacht auch für Überweisungen und Kontoänderungen? Testen Sie es vorher.
- Kopien aller Dokumente digital sichern. Reisepass, Personalausweis, Geburtsurkunde, Apostillen, Versicherungspolicen, Arbeitsvertrag, Mietvertrag (Zielland), Impfpass. Cloud-Speicher + USB-Stick + E-Mail an sich selbst. Dreifache Sicherung.
- Notfall-Kontakt in Deutschland benennen. Wer ist erreichbar, wenn im Ausland etwas passiert? Wer hat Ihre Vollmacht, Ihre Schlüssel (falls noch nötig), Ihre wichtigen Telefonnummern? Kommunizieren Sie das klar.
- Abschied feiern. Klingt trivial, ist es nicht. Auswandern ist ein Abschnitt. Geben Sie sich und Ihren Menschen den Raum, das zu würdigen. Sie werden in den ersten Monaten im Ausland froh sein über jede Verbindung, die Sie bewusst gepflegt haben.
Was diese Checkliste bewusst nicht enthält: Länderspezifische Visa-Anleitungen, Steueroptimierung, Wohnungssuche im Zielland, Behörden-Navigator. Das alles finden Sie im Auswander-Lotse — mit interaktiven Tools, die auf Ihr Zielland und Ihre Situation zugeschnitten sind.